Pepo Meia: Vom Austropop-Pionier zum Vorkämpfer für Barrierefreiheit

Wien hat viele musikalische Söhne, aber nur wenige Lebensläufe sind so facettenreich, kämpferisch und inspirierend wie der von Pepo Meia. Wer den Namen hört, denkt vielleicht zuerst an die wilden 70er Jahre des Austropop, andere verbinden ihn mit hartnäckigem Engagement für behinderte Menschen. Tatsächlich war Pepo Meia beides: Ein Vollblutmusiker, der österreichische Popgeschichte schrieb, und ein unermüdlicher Aktivist, der Barrierefreiheit nicht nur forderte, sondern lebte.

Seine Geschichte begann wie die vieler Wiener Jungs: Mit Fußball auf dem Platz und Musik im Herzen. Doch während andere es beim Hobby beließen, zeigte sich bei Meia früh der unbedingte Wille zur Bühne.

Von der Pfarrheim-Probe in die US-Charts

Schon mit 14 Jahren stand der gelernte Elektromechaniker auf der Bühne. Seine erste Band GUSH probte noch ganz klassisch im Pfarrheim. Das Repertoire war ein wilder Mix, der typisch für die damalige Zeit war: Vom Landler und Walzer mit der Ziehharmonika ging es nahtlos über zu Blues und Rock. Doch das war nur das Aufwärmen für den ersten großen Coup.

Mit der Gründung der Pop- und Rockgruppe SMILER schrieb Meia Geschichte. Es ist ein Detail, das heute fast vergessen ist, aber unbedingt im Gedächtnis bleiben sollte: SMILER war die erste österreichische Formation, die Platten in den USA verkaufte. Der Song “Love to live” schaffte es unter dem Label BMG Ariola über den großen Teich und wurde in 15 US-Staaten im Radio gespielt. Zu Hause in Wien füllte die Band als Vorgruppe von den legendären Smokie die Stadthalle, und in den Diskotheken sangen die Teenager ihre Songs mit. 1977 war Meia ganz oben angekommen.

Der Schnitt und das Comeback als “Rock- and Rollstuhl”

Das Jahr 1978 markierte eine Zäsur. Seitdem war Pepo Meia auf den Rollstuhl angewiesen. Für viele wäre eine solche Veränderung das Ende der Bühnenkarriere gewesen, für Meia war es nur der Beginn eines neuen Kapitels.

Bereits 1980 kehrte er ins Rampenlicht zurück, zunächst beim Rocktheater ABGRUND, dann mit seiner eigenen Formation, der “Ersten Leiwanden Meiapartie”. Er integrierte seine neue Lebenssituation mit einer gehörigen Portion Wiener Schmäh in sein Image: Der Begriff “Rock- and Rollstuhl” war geboren. Mit über 30 Musikern spielte er in den folgenden Jahren zusammen und veröffentlichte Singles wie “Extase” und den “Knödlsong”.

Auch abseits der eigenen Bühne gestaltete er die Wiener Kulturlandschaft aktiv mit. Als Obmann des Musikervereins BIOTON war er maßgeblich an den Anfängen des heute weltberühmten Donauinselfestes beteiligt.

Musik als Brücke: Theater, Integration und Studio

Meias Schaffen entwickelte sich in den 90ern und 2000ern stetig weiter. Er erkannte früh, dass Musik ein ideales Werkzeug zur Integration ist. Beim Verein ICH BIN OK, der behinderte und nicht behinderte Menschen zusammenbringt, produzierte er Musik für Theaterstücke. Seine Zusammenarbeit mit der Austropop-Legende Sigi Maron für die Jubiläums-CD “Danke Danzer” führte zu einer tiefen künstlerischen Freundschaft, aus der weitere Projekte für das Theater der Jugend entstanden, wie etwa für das Stück “Stärker als Superman”.

1993 machte er sich mit dem MEIASOUND Tonstudio unabhängig. Hier spezialisierte er sich auf das, was er “akustische Visitenkarten” nannte: Jingles für Telefon, Werbung und Internet. Gleichzeitig veröffentlichte er sein erstes Solo-Instrumental-Album.

Ein Vermächtnis für ein barrierefreies Wien

Vielleicht noch wichtiger als seine musikalischen Erfolge war sein gesellschaftliches Engagement. Pepo Meia nutzte seine Bekanntheit und seine mediale Erfahrung bis zuletzt, um für die Rechte von Menschen mit Behinderung zu kämpfen. Jahrelang war er als freier Mitarbeiter bei Freak-Radio tätig und gestaltete Sendungen für Radio Orange 94.0.

Er war kein Aktivist, der nur redete, sondern einer, der umsetzte. Die Rollstuhlrampe in der Argentinierstraße beim ORF oder der barrierefreie Ausbau zahlreicher öffentlicher Gebäude gehen auf seinen unermüdlichen Einsatz zurück. Für Meia war Musik ein kommunikatives Transportmittel, aber sein übergeordnetes Ziel war eine Gesellschaft, in der Teilhabe für alle selbstverständlich ist.

Pepo Meia starb im Jahr 2023. Er hinterlässt nicht nur eine Lücke in der Wiener Musikszene, sondern auch in der Behindertenbewegung. Sein Lebenswerk bleibt ein lautstarkes Zeugnis dafür, dass Barrieren oft nur im Kopf entstehen und dass sich mit der richtigen Melodie, Wiener Schmäh und genügend Hartnäckigkeit auch die dicksten Mauern einreißen lassen. Seine “akustischen Visitenkarten” und sein Einsatz für ein barrierefreies Wien werden noch lange nachhallen.